Biohof Sigriswil für Landdienst nicht geeignet

In einigen Schulen in der Schweiz ist es die Pflicht der Schüler/Schülerinnen, einen 2 bis 3 wöchigen Landdienst zu absolvieren. Eine sehr gute Sache und unserer Meinung nach auch sinnvoll. So mag es sicherlich keinem jungen Mann oder jungen Frau zwischen 16 und 18 Jahren abkömmlich sein, sich für kurze Zeit in einer anderen Familie, einem anderen Umfeld vorzufinden.

In der FMS Basel ist für die Jugendlichen auch gut gesorgt. Mit der Organisation AgriViva hat man einen Partner der mit viel Aufwand die schwarzen Schafe (ja die gibt es bei den Gastfamilien auch) herauspickt und den Jugendlichen so eine schlechte Erfahrung ersparen will. Für Gastfamilien gibt es auch einige (wenige) Auflagen, so muss man dem Jugendlichen ein Zimmer, Essen und etwas Familienanschluss bieten. Die maximale Arbeitszeit ist zum Schutz der jungen Menschen auch festgelegt und auch der Lohn. So bekommt ein Jugendlicher der 9 bis 10 Stunden arbeitet, neben Kost und Logie noch 16 Franken pro Tag.

Man muss aufpassen, wenn man mit den Jugendlichen spricht. Nicht für alle sind diese 3 Wochen funny, nein, für einige geht der Daumen stark nach unten. Es ist möglich, dass viele junge Menschen in diesen 3 Wochen zum ersten Mal in ihrem Leben etwas arbeiten mussten und auch mit den eventuell neuen Regeln umghehen zu lernen mussten.

Bild (c) by Sigiriswil.ch Herr Hoffman

Eine dieser Gastfamilien sind auch die Betreiber des Biohof Sigriswil am Thunersee. Wunderschön gelegen, führen hier die Gasteltern einen Hof, der an Vielfältigkeit nichts zu wünschen übrig lässt, auch ein Alpbetrieb ist hier vorhanden. Seit 20 Jahren bietet man hier Ferien im Zelt, im Tipi, Landdienste für schwer erziehbare Jungendliche und eben auch für Schüler an. Dies laut eigenen Angaben, denen wir hier nicht nachgehen wollen. Die Gastfamilie hat selber drei Kinder.

In  dieser Zeit sind anscheinend auch schlechte Erfahrungen gemacht worden und so erwarten die Jugendlichen alles andere als eine der Vorgaben der AgriViva entsprechenden Unterkunft. Im Wohnwagen, ohne Wasser und nicht funktionierender Toilette, mit einer Kühlung, die defekt ist und einem WC, wo selbst das WC-Papier nicht selbstverständlich ist. Familienanschluss findet hier beim Essen statt, das war’s. An den Freitagen findet der Jugendliche geschlossene Türen vor, wenn die Gasteltern am werken sind.

Dies alles klingt nun nicht ganz so schlimm, schlimm ist es wenn ein Jugendlicher vorher nicht darauf aufmerksam gemacht wird, dass er in einem, in der Nacht sehr kalten und am Tag bis 45 Grad heissen Wohnwagen hausen muss. Dass es keine Möglichkeit hat, selbst Mitgebrachtes zu kühlen, da der Kühlschrank nicht richtig funktionierte, und dass es für den Gang aufs WC am Abend einen Trainer/Taschenlampe braucht.

Auch scheint man hier, obwohl man Fleisch an Kunden anbietet, eher vegetarisch zu leben, was den einen oder anderen Jugendlichen, voll im Wachstum, etwas überraschen kann.

So geschah es auch dem jungen Mann aus Basel, der erst kürzlich seinen Landdienst hier antreten wollte.  Die ersten Tage waren regnerisch, kühl und die Nächte unter der Decke etwas ungemützlich. Dennoch beklagte er sich nicht und berichtet nur Gutes Zuhause aus den ersten Tagen. Am 5. Tag begann es aber mit dem kleinen Übel… Durchfall und Erbrechen, zum Glück gerade an seinen 2 Freitagen. Doch auch am zweiten Tag wurde es nicht besser, nun wurde es zu allem Übel auch noch sehr heiss im Wohnwagen, teilweise hatte er keinen Strom. Er meldete dies der Gastfamilie und bekam eine (1) Tasse Tee. Es wurde schlimmer. Der Junge war nur noch unterwegs zwischen Waschraum und Wohnwagen, nichts wollte mehr bleiben. Dazu kam leichte Temperatur. Er berichtet dies kurz den Eltern.

Da er keine andere Möglichkeit hatte, meldete er per SMS (???), dass es auf den Toiletten kein WC-Papier mehr habe. Nichts geschah, er machte sich dieses selber aus den mitgebrachten Zeitschriften. Erst am nächsten Morgen, als er den Gastvater persönlich ansprach, wurde ihm gezeigt wo es Reserve-Rollen hat.

Da es auch am dritten Tag nicht besser wurde, er ein Jugendlicher ist, der auch gerne mal an den Nägeln kaut und er den Geissen- und Hühnerstall ausmisten durfte, kam bei den Eltern der Verdacht auf, dass es auch eine Salmonellen-Vergiftung sein könnte, zumal der Junge auch berichtet, dass nur Eier gegessen werden, deren Schale gessprungen ist, die intakten werden verkauft. Eines der Kinder der Gastfamilie hatte eben gerade eine Magen-Darm-Grippe hinter sich. Die Eltern riefen den Dorfarzt an, der es nicht verstehen konnte, dass der Junge nicht schon lange bei ihm sei. Runter laufen ins Dorf konnte der Junge Mann nicht, er hätte auf dem Weg….. na ja…..  Der Arzt rief nun seinerseits die Gastfamilie an und bat die Bäuerin (ehemalige Arztgehilfin), den Jungen doch bitte sofort in die Praxis zu bringen.

Diese benutze die Gelegenheit, den Eltern eine SMS zu senden, in der sie, wohl beruflich sehr erfahren, meldete, dass es sich ja nur um eine Magen-Darm-Grippe handeln wird. Den Grund sah sie darin, dass der Junge Mann halt mehr trinken und nicht nur Müesli essen soll und auch nicht rauchen.  Supe, den Tee hätte er wohl dann vom Pizzaservice in Thun bestellen sollen?

Der Arzt stellte fest, dass der Junge bereits dehydriert war,  also an Flüssigkeitsmangel litt. Er verordnete Ruhe, viel Trinken und der Aufenthalt im Wohnwagen sei ausgeschlossen. Die Gastmutter wurde telefonisch vom Arzt instruiert. Leider wurde die Anweisung, dass der Junge nicht weiter im Wohnwagen wohnen darf,  völlig ignoriert.

Nun, am kommenden Tag war der Alpauftrieb angesagt. Es ist klar, dass man einen solchen Tag nicht verschieben kann, weil ein Gast krank ist. Ein Gast, für den man Verantwortung übernommen hat, aber dieser sich wohl nicht bewusst ist. Wer 4 Tage nichts mehr behalten kann ist krank! Auch waren die Anordnungen des Arztes mehr als klar.

Dass der Landdienstler mit seinem Durchfall nicht auf die Alp konnte, war klar. Alleine zurücklassen wollte man ihn an diesem Tag nicht, da man in den vergangenen Jahren schlechte Erfahrung gemacht habe. Der Junge wollte aber auf keinen Fall einen ganzen Tag im Wohnwagen verbleiben, die zweistündige Fahrt auf die Alp konnte man ihm auch nicht zumuten, nicht weil er dies nicht getan hätte, sondern wohl eher aus Scham, dass er unterwegs in die Hosen machen würde.

Und so entschied man sich, den Städter wieder in den Zug zu setzen und ihn nach Hause zu schicken. Wohl gemerk,t ohne einen einzigen Kontakt (ausser oben erwähntes SMS) oder eine Gespräch mit den Eltern.  Man gab dem jungen Mann auch kein Geld mit, damit er unterwegs etwas trinken konnte oder für einen Notfall. Auch wurden ihm keine Getränke (Tee) gereicht. Der Mutter wurde dann eine SMS geschick,t man solle den Jungen doch am Bahnhof abholen. Der Junge Mann hat in diesen Tagen 4 Kilo abgenommen. Wenn man bedenk,t dass er mit 45 Kilo und 162 Centimeter gewichtsmässig eher an der unteren Grenze lag, sind da für die Eltern besorgnisserregende 41 Kilo, die da übrig blieben.

Eine solche Haltung einer Gastmutter, wir schliessen hier den Gastvater aus, für jugendliche Menschen im Landdiens,t können wir nicht billigen. Nicht nur, dass die Auflagen der AgriViva nicht erfüllt werden, nicht nur, dass hier kein Familienanschluss gewünscht wird, nein, auch die Aufsichtspflicht von Schutzbefohlenen wurde auf das sträflichste verletzt.  Es kommt so auch der Verdacht auf, dass man auf diesem Hof die Willigen aufnimmt um sich Lohnkosten zu sparen. Für 16 Franken pro Tag und etwas Essen findet man wohl keinen Dummen. Genau dies ist aber der Grund, dass AgriViva die Betriebe kontrolliert, dass eben solche Verhältnisse nicht entstehen.

Der Biohof, der gross „Bioprodukte – Barbecue – Ferienwohnung – Camping – Tipi“ anbietet, ist leider nicht geeignet für die Ansprüche (und die sind ja sehr bescheiden) die Landdienste mit sich bringen und wir empfehlen Eltern, sich zwei mal zu überlegen, ob sie ihre Kinder hier hin schicken wollen. Von sussen und von dem Angebot an Arbeit her wäre es ja ein Superhof, aber leider nur von aussen.

Nachtrag:

Wir nehmen den Gastvater hier aus, weil er, sofort nach Bemerken der Erkrankung sehr hilfreich war.

Der Jugendliche von dem hier die Rede ist, ist übrigens nicht einfach so ein kleiner Stadtbubi. Er lebte mit seinen Eltern einige Jahre auf einem Bauernhof und zog erst vor 4 Jahren nach Basel. Sein Stiefvater ist gelernter Landwirt und hat sehr viel Verständnis, sagt aber, „so nicht mit Schutzbefohlenen“. Sein Vater, lebt ebenfalls auf einem Hof in der Toscana und auch hier arbeitet er in den Ferien immer mit.

Es ist klar, dass gerade im Juni auf den Höfen viel Arbeit vorhanden ist, dennoch sollte es einer Gastfamilie möglich sein, für eine saubere Unterkunft zu sorgen und den nötigen Respekt gegenüber den Jungendlichen zu wahren. Dazu gehört sicher die Gesundheit und die normalen Bedürfnisse eines jungen Menschen.

Wir wollen auch festhalten, dass er hunderte von Gastfamilien in der Schweiz gibt, die diese Möglichkeit nicht ausnutzen und sich an den vielen jungen Menschen erfreuen. Dies trifft in vielen Fällen auf Gegenseitigkeit, was man den positiven Berichten von jungen Menschen die einen Landdienst besuchten, entnehmen kann.

Die Vereinbarungen der Agriviva mit den Gastfamilien die hier nicht erfüllt wurden finden Sie hier >>>

Hier wird hervorgehoben:

Platz: Wenn Sie Jugendliche aufnehmen, müssen Sie eine geeignete Unterkunft bieten können. Die Jugendlichen sollten einen Platz zur Verfügung haben, wohin sie sich zurückziehen können. Unterkünfte wie Zelt oder Wohnwagen und Schlafgelegenheiten in gemeinsamen Aufenthaltsräumen sind unzulässig.

Freizeit: Die Jugendlichen sind während ihres Einsatzes ein Teil Ihrer Familie. Deshalb sollen sie die Freizeit auch mit Ihnen verbringen dürfen.

Die Homepage der AgriViva >>>

Informativ:

Wir haben der Gastfamilie die Kopie dieser Seite zugesandt und geben ihr das Recht, hier eine Gegendarstellung zu veröffentlichen. Ebenfalls melden wir den Beitrag der AgriViva/frilingue.ch und der FMS-Basel.

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