Sans Papiers

Manchmal gehen Statistiken an einem vorüber und man fragt sich derweil, wie kommen solche Zahlen zustande.

25.06
(c) Sans-Papiers.ch

Eine die ich vor wenigen Tagen eher so nebenbei in der Tagesschau mithörte, war, dass es über 90’000 Papierlose gebe, in der kleinen Schweiz.

Da es ja für alles einen Namen geben muss, nennt man sie Sans Papiers.

Es verging nun einige Zeit, bis gestern mein Vermieter eben genau mit so einem Sans Papiere zu tun hat. Er wohnt zu Untermiete bei einer unserer Mitbewohnerinnen. Dies aber seit mehr als einem Jahr. Auffällig ist nur sein gelber Fiat mit den „Ausländischen“ Nummern, und das er die Geschäfte seines Hundes nie aufnimmt.  Das er etwas lauter mit seiner Partnerin redet, dass es manchmal „deftig“  nach Streit scheint. Sein Auto hat, da immer wieder an ganz lustigen Stellen abgestellt, oft einen Einzahlungsschein an der Scheibe und derweil auch so unangenehme Radfesseln. Die fallen einem nun aber doch heftig auf, da zu den Wegfahrsperren ja immer noch so eine wunderschöne Schleife um das Auto gebunden wird. Baustellen benötigen die selben Bänder. Aber eben, er ist niemandem Aufgefallen.

Es begab sich aber nun, dass man seine Angaben brauchte, oder aber die Person dem Amt für Migration melde. Der Vermieter teilte schon länger der Mieterin mit, dass sie ihren Besuch anmelden solle. Da dies nicht getan wurde, hat man ja als Vermieter, zumindest in Basel, nicht viele Wege offen. Aber man kann sich ja erkundigen. Also Google Hilf und siehe da Basel steht zuoberst. Aber eine Stelle für die Sans Papiers. Ein solcher bin ich ja nicht, also die nächste Adresse für Basel. Sicherheitsdepartement BS, Amt für Migration.

Also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen (ja ich brauche mittlerweile Mut) und rief dem Amt für Migration in Basel an. Ich schilderte kurz die Angelegenheit, dass ich jemanden Melden wolle, aber mehr als sein Gesicht nicht kenne.  Die Antwort kam schnell…

„Ja, das müssen Sie aber schriftlich machen mit Name, Vorname, Geburtstag etc.“

„Ich kenne den Namen nicht“, war meine Antwort. „Ich weiss nur dass der Besitzer dieses Autos seit über einem Jahr hier wohnt.“

„Ja also ohne Namen können wir nichts machen“. Punkt am besten wollte die „nette“ Frau am anderen Ende nun wohl auflegen.

„Das ist aber keine Antwort auf meine Frage liebe Frau XX“, ich versuchte nochmals gegen jegliche Vernunft meine Frage nochmals zu stellen und beendete diese mit den Worten “ … oder was kann ich tun wenn ich den Namen nicht kenne, und die Chance klein ist, diesen über die Partnerin zu erhalten?“

Ganz kurze Pause, ich dachte schon nun kommt ein Rat oder ein Tipp..

„Also ich kann ihnen nur sagen, ohne Name, Vorname, Geburtstag…. können wir nichts machen“

Meine Hoffnung verflüchtigt sich. Soll ich es nochmals Versuchen. Nein ich probiere esmit einer List, habe ich mal gelesen, dass soll nürtzen.

„Also ich arbeite auch auf einer Gemeinde, aber ihre Antwort ist ungenügend und löst das Problem nicht“.

Hu.. Hilft dass?

Muss gleich festhalten, ich arbeite nicht auf einer Gemeinde. Und bereits jetzt fand ich meine Worte als doof. Musste mich selber kurz beruhigen, weil eine ander Statistik ja mitteilte, dass jeder Mensch im Schnitt und Tag 15 mal lügt.

Aber das Ziel habe ich nun gänzlich verfehlt. Die Gegenstelle blieb stur und wieder holte obige Antwort, nun aber mit Nachdruck.

Ich versuchte noch einmal, eine kleine Hilfe zu bekommen.

„Kann ich, oder der Vermieter den nichts machen, wenn wir nicht an die Personalien dieser Person kommen? Wir können ja nicht die Türe aufbrechen oder so?“

Auch diese Antwort kam schnell, zu schnell vielleicht.

„Nein“

Dieses Nein war aber nun unmissverständlich und zeigte an, dass der Hörer auf dem Weg zur Gabel war.

Meine Mutter brachte mir bei, dass jede Situation und sei sie noch so unverständlich, schlussendlich etwas gutes habe. Ich überlegte was denn nun an diesem Gespräch gut war und doch..

Ja, ich weiss nun warum die kleine Schweiz über 90000 Sans Papiers hat. Und warum es so schwer ist, etwas dagegen zu unternehmen.

Danke an dieser Stelle an das Sicherheitsdepartement BS, Amt für Migration.

Ich denke ich habe meine Aufgabe als Bürger wahr genommen. Soll der andere doch des Rest seines Leben in der Schweiz wohnen beleiben, keine Steuern oder Versicherungen bezahlen. Was solls. Meinem Vermieter werde ich schreiben. Anmeldung unerwünscht, Angaben nicht erhalten.

Geschehen am 24.6.2009 um 11:00 Uhr (also nicht zu einer „bösen“ Zeit)

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